Der Unterschied zwischen Hanf und Cannabis

Was ist der Unterschied zwischen Hanf und Cannabis und auf welchen wissenschaftlichen Erkentnissen beruht dieser Unterschied? Ergebnisse aus Biologie und Sprachwissenschaften sollen diese Frage beantworten. Mit Illustrationen und etlichen Beispielen wird die Frage nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Hanf und Cannabis wissenschaftlich und eingängig erklärt.

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Umgangssprache

Umgangssprache scheint vielleicht auf den ersten Blick eine sonderbare Art, um herauszufinden, was der Unterschied zwischen Hanf und Cannabis ist. Die „Sprache, die im täglichen Umgang mit anderen Menschen verwendet wird“1 hat jedoch einen großen Einfluss darauf wie wir die Welt wahrnehmen und auch darauf welche Worte wir selbst verwenden. Häufig ist das sogar wichtiger als Erkenntnisse aus anderen Wissenschaften, zumindest um die Bedeutung der Worte zu verstehen.

Ein Beispiel:

Wahrscheinlich haben Sie schon mal davon gehört, dass eine Tomate eigentlich eine Frucht ist. Für manchen Wissenschaftler und einige Ihrer Freunde ist das vielleicht ein wichtiges Thema. Jedoch werden die Supermärkte ihre Kategorisierung und die Behandlung von Tomaten als Gemüse nicht ändern und für die wenigsten Menschen ist dieser Fakt relevant. Deswegen bleibt die Tomate in der Umgangssprache ein Gemüse.


Hanf in der Umgangssprache

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden alle Produkte der Pflanze die nicht als Rauschmittel verwendet werden als Hanfprodukte bezeichnet. Das ist gut zu sehen am Beispiel von Hanfsamen, Hanföl oder Dichthanf. Das Ergebnis ist das, was zählt. Ist das verwendete Öl ein Speiseöl und kann kein „High“ erzeugen, dann wird es „Hanföl“ genannt, unabhängig von der tatsächlichen Herkunft der Pflanze.


Cannabis in der Umgangssprache

Produkte, die mit psychoaktiver Wirkung in Verbindung stehen werden häufig Cannabis genannt. Obgleich die berauschende Wirkung eigentlich nur in einem bestimmten Teil, nämlich der Blüte der Pflanze, zu finden ist. Trotzdem bezeichnet man nicht nur die Blüte dieser Pflanze mit dem Wort Cannabis, sondern auch gleich die ganze Pflanze. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Cannabis also eine Pflanze mit einer Blüte, die eine psychoaktive Wirkung hat. Diese beiden sind vernetzt. Wenn die Blüte nicht psychoaktiv ist, wird die Blüte nicht Cannabis genannt, sondern Aromablüte. Wenn die Pflanze keine psychoaktive Blüte trägt, wird sie nicht Cannabis genannt, sondern Hanf.


Einige Beispiele für die Verwendung der Wörter Hanf und Cannabis:

Die Bezeichnung „Cannabissamen“ steht ausschließlich für Samen, die zur Züchtung von bewusstseinsverändernden Pflanzen verwendet werden, nicht aber für Samen, die zum Verzehr gemacht sind. Die als Nahrungsmittel verwendeten Samen werden „Hanfsamen“ genannt. Auch steht „Cannabisöl“ ausschließlich für Öl mit medizinischem oder berauschendem Effekt, nicht aber für Speiseöl welches als „Hanföl“ bezeichnet wird. „Dichthanf“, Hanffäden, die man zur Abdichtung von Rohren benutzt, hat kein Gegenstück mit dem Namen „Dichtcannabis“. Das kommt daher, dass „Dichthanf“ rein für die industrielle Anwendung verwendet wird und es keine bewusstseinsverändernde Version dieses Dichtstoffes gibt.

Dichthanf als Hanfprodukt

Abb. Dichthanf


Biologie

Die biologische Perspektive ist weniger eindeutig, als man sich wünschen würde. Das liegt daran, dass die Hanfpflanze in vielen Teilen der Erde seit mehreren Jahrtausenden zu verschiedenen Zwecken kultiviert wurde. Die meisten Kulturen kannten oder benötigten nicht jede Nutzungsmöglichkeit der Hanfpflanze. Daher wurde die Pflanze auf der ganzen Welt zu unterschiedlichen Zwecken gezüchtet. Und so, durch eine Mischung von selektiver Domestizierung durch die Menschen und natürlicher Selektion durch die Natur, entstanden viele verschiedene Unterarten der Pflanze.2–5 Das führt dazu, dass einzelne Pflanzen schwer zu unterscheiden und schwer in verschiedene Schubladen zu stecken sind. Aus diesem Grund gibt es zu jeder der folgenden Klassifizierungen einige Ausnahmen. Gemeinsam angewendet ergeben die hier vorgestellten Kategorien jedoch verlässliche Orientierung und werden deshalb auch in der Forschung und in Gerichten verwendet.


Systematik der Lebewesen

Die Systematik der Lebewesen ist eine Art die Tier- und Pflanzenwelt zu ordnen. Hanf ist darin der Name einer Gattung,f deren wissenschaftlicher Name „Cannabis“ lautet. Von dort an gibt es zwei verschiedene Kategorisierungsansätze. Einen nach Jean-Baptiste Lamarck, dem Verfasser einer Darwin vorausgehenden Evolutionstheorie und Linnaeus, dem Erfinder der modernen systematischen Einordnung der Lebewesen.

 

Lamarck

Lamarck beschrieb Hanf (Cannabis) als eine Gattung mit zwei Arten: Cannabis Sativa und Cannabis Indica, was die wissenschaftlichen Namen der Arten sind.6 Die erste Art ist Cannabis Sativa welche im Normalfall keine berauschende Wirkung hervorrufen kann wird in der Umgangssprache Hanf genannt. Cannabis Sativa zeichnet sich durch einen höheren CBD Gehalt und hohe industrielle Verwertbarkeit aus. Die zweite Art ist Cannabis Indica, die im Normalfall psychoaktive Blüten trägt und in der Umgangssprache Cannabis genannt wird. Cannabis Indica zeichnet sich durch höhere THC Level und geringe industrielle Verwertbarkeit aus.

Hanf in der Systematik der Lebewesen nach Lamarck

Abb. Hanf und Cannabis in der „Systematik der Lebewesen“ nach Lamarck

Die mehrfache Vergabe der Namen Cannabis und Hanf in der „Systematik der Lebewesen“ kann durchaus verwirrend sein. Deswegen zur Veranschaulichung ein Vergleich:

Wir alle gehören der Art Homo sapiens an. Doch nennen wir uns selbst in der Umgangssprache Menschen. Mensch, oder mit wissenschaftlichen Namen Homo, ist aber die Bezeichnung für die ganze Gattung der Menschen. Also bezeichnet Mensch (Homo) alle anderen ausgestorbenen Arten der Menschen ebenso wie uns. Dennoch nennen wir andere Menschen, wie z.B. den Homo Neanderthalensis nicht Mensch, sondern Neandertaler.

Der Mensch in der Systematik der Lebewesen

Abb. Der Mensch in der „Systematik der Lebewesen“

 

Linnaeus

In der Kategorisierung nach Linneanus hat die Gattung Hanf nur eine einzige Art: Cannabis Sativa L.. Das L. steht hierbei für Linneanus, ist also eine Kennzeichnung um es von dem System mit zwei Arten zu unterscheiden, welches von Lamark propagiert wurde. Die Art Cannabis Sativa L. hat dabei zwei Unterarten. Namentlich: Cannabis sativa sativa und Cannabis sativa indica.5,6 Für die Unterschiede zwischen Sativa sativa und Sativa indica gilt dasselbe, wie auch schon bei der ersten Kategorisierung nach Lamarck. Indica wird Cannabis genannt und mit dem Rauschmittel assoziiert, während Sativa Hanf genannt wird und Pflanzen mit Industriellen Verwertbarkeit und Lebensmittel Erzeugnissen beschreibt.

Hanf in der Systematik der Lebewesen nach Linnaeus - Was unterscheidet Hanf von Cannabis?

Abb. Hanf in der Systematik der Lebewesen nach Linnaeus

 

Unterschiede in THC Gehalt

Ein Merkmal, in dem sich Hanf von Cannabis unterscheidet ist der Gehalt an THC und CBD und das Verhältnis in dem die beiden vorhanden sind.5–7 Dieses Verhältnis von THC und CBD Gehalt unterscheidet sich von Pflanze zu Pflanze. Beeinflusst wird es durch unterschiedliche Bedingungen beim Wachsen, aber vor allem durch Gene. Man kann also, um herauszufinden ob es sich um Hanf oder Cannabis handelt den Gehalt und das Verhältnis von CBD und THC in der Pflanze messen. Man kann auch die entsprechenden Gene untersuchen, die zu diesem Unterschied führen.

Es gibt Gene, die die Produktion von THC und CBD und deren Mengenverhältnis bestimmen. Diese Gene entscheiden jeweils, wie viel THC und CBD produziert werden.7 Man kann also die entsprechenden Gene der Pflanze untersuchen, was in jedem Wachstumsstadium möglich ist. Das ist kaum vereinfacht zu erklären, aber wenn bestimmte Gene vorhanden sind, handelt es sich vermutlich um eine Cannabispflanze und wenn andere bestimmte Gene vorhanden sind, handelt es ich vermutlich um eine Hanfpflanze. Diese genetischen Untersuchungen gehen über die Gene, die mit THC und CBD Produktion in Verbindung stehen hinaus. Es gibt also viele Gene, an denen man bestimmen kann, ob man eine Hanf- oder eine Cannabispflanze vor sich hat. Man kann Cannabis und Hanf bis auf einige Ausnahmen erfolgreich durch eine Genanalyse unterscheiden doch haben Hanf und Cannabis genetisch deutlich mehr gemeinsam, als sie unterscheidet.


Was ist der Unterschied zwischen Hanf und Cannabis?

Cannabis wird angebaut, um Blüten zur Medizinischen oder zur Freizeitverwendung zu erzeugen während Hanf als Medizin, Heilmittel, Nahrungsmittel und zur Fasergewinnung angebaut wird. Produkte aus Cannabis können ,‚High‘‘ machen, Produkte aus Hanf nicht. Cannabispflanzen gehören zum Großteil zu Pflanzen der Art Cannabis Indica und Hanfpflanzen gehören zum Großteil zu Pflanzen der Art Cannabis Sativa. Cannabis hat einen hohen Gehalt an THC und kann deswegen „High“ machen, Hanf hat einen hohen Anteil an CBD und kann deswegen nicht „High“ machen. Hanf ist legal, Cannabis ist illegal.

 

 

Quellen

  1. “Duden | Umgangssprache | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft,” 2020.
  2. Clarke, R. C., and Merlin, M. D., “Cannabis Domestication, Breeding History, Present-day Genetic Diversity, and Future Prospects,” Critical Reviews in Plant Sciences, V. 35, 5-6, 2016, pp. 293–327.
  3. van Bakel, H., Stout, J. M., Cote, A. G., Tallon, C. M., Sharpe, A. G., Hughes, T. R., and Page, J. E., “The draft genome and transcriptome of Cannabis sativa,” Genome Biol, V. 12, No. 10, 2011, R102.
  4. Small, E., “Evolution and Classification of Cannabis sativa (Marijuana, Hemp) in Relation to Human Utilization,” Bot. Rev., V. 81, No. 3, 2015, pp. 189–294.
  5. Small, E., and Cronquist, A., “A Practical and Natural Taxonomy for Cannabis,”.
  6. Hillig, K. W., “Genetic evidence for speciation in Cannabis (Cannabaceae),” Genet Resour Crop Evol, V. 52, No. 2, 2005, pp. 161–180.
  7. Shannon L. Datwyler & George D. Weiblen, “Genetic Variation in Hemp and Marijuana (Cannabis sativa L.) According to Amplified Fragment Length Polymorphisms*,”.
Arvaloo Team Tim Groschke

Tim Groschke

Tim L. Groschke is a writer with major interests in market development, biology and cognitive neuropsychology. His studies range from international political economy to historical and classical texts. Often writing for the Arvaloo and WeBelieve team he uses his comprehensive yet detailed knowledge to give insight in the biological processes of hemp products and the industry surrounding it.

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